Presse und Medien — Pressemeldungen
27. September 2011 — 10. Wohnungspolitischer Kongress:
Sozialministerin Özkan: Städtebauförderung bedarfsgerecht weiterentwickeln
250 Experten diskutieren über Impulse für künftigen Wohnungs- und Städtebau „Einblicke und Aussichten. Chancen für Stadt und Land“ lautet das Motto des 10. Wohnungspolitischen
Kongresses. 250 Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wohnungswirtschaft nahmen heute an der Fachtagung im Hannover Congress Centrum teil. In drei Fachvorträgen beleuchteten Referenten Anforderungen an die Wohnungs- und Städtebauförderung, beeinflusst insbesondere durch den demografischen Wandel. Der Wohnungspolitische Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan. Veranstaltet wird er vom Niedersächsischen Sozialministerium, dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw) und der NBank. Hauptredner war der preisgekrönte Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Buchautor Gerhard Matzig. Er plädierte in seinem launigen Vortrag für ein enges Zusammenwirken von Architekten und Bauherren und berichtete von seinem Abenteuer, ein Haus am Stadtrand zu bauen.
Ministerin Özkan: Städtebauförderung steigert die Attraktivität unserer Kommunen Niedersachsens Sozial- und Bauministerin Aygül Özkan betonte in ihrem Beitrag die hohe Wirksamkeit der Städtebauförderung: „Die Städtebauförderung steigert die Attraktivität unserer Städte und Gemeinden und fördert deren strukturelle Entwicklung. Sie integriert unterschiedliche soziale Bevölkerungsgruppen. Städtebauförderungsmittel sind zudem ein Motor der Baukonjunktur.“ Niedersachsen setze sich daher weiterhin dafür ein, „dass die Programme der Städtebauförderung bedarfsgerecht weiterentwickelt und vom Bund finanziell angemessen ausgestattet werden“, so die Ministerin.
Hauptredner Matzig: Wahre Baukultur schaffen Architekt und Bauherr nur gemeinsam
Wahre Baukultur entsteht für Gerhard Matzig, Redakteur der Süddeutschen Zeitung zu Fragen von Design und Architektur, nur im gemeinsamen Tun von Architekten und Bauherren. Beide Seiten müssten sich versöhnen, forderte er in seinem Vortrag. Das Verhältnis zwischen ihnen sei aber kompliziert und auf beiden Seiten nicht frei von klischeehaften Vorurteilen oder Missverständnissen: „Schon der Literat Flaubert beurteilte vor etlichen Jahrzehnten das Werk der Baumeister so: ‘Architekten - alles Schwachköpfe. Vergessen immer die Treppe im Haus‘. Viele Bauherren berufen sich seither auf Flaubert, dem vermeintlichen Kritiker der Architekten.“ Allerdings gebe es laut Matzig auch Menschen, die aus Flauberts Satz die pure Ironie heraushören: „Nicht die Architekten sind demnach gemeint, sondern die Bauherren und Laien, die allzu klischeehafte Vorstellungen vom Tun der Architekten hätten. Was dazu geführt hat, dass sich seither viele Architekten auf Flaubert berufen, den vermeintlichen Kritiker der Bauherren.“
NBank-Vorstand Koch: Kongress beeinflusst Entscheidungen zur Förderung
NBank-Vorstand Walter Koch verwies auf die vielfältigen Ideen, die beim Kongress in die Wohnungs- und Städtebauförderung ihren Anfang genommen haben: „Seit seinem Start 2002 ist der Wohnungspolitische Kongress Forum und Netzwerk für alle Wohnungsakteure in Niedersachsen. Von seinen fruchtbaren, zuweilen auch kontroversen Diskussionen sind vielfältige Impulse ausgegangen für Entscheidungen in der Wohnungs- und Städtebauförderung.“ Als Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit nannte Koch das „Qualitätssiegel für sicheres Wohnen“ und das „Energieeffizienzdarlehen“. Das Qualitätssiegel zeichnet technische und objektive Sicherheitsvorkehrungen ebenso aus wie funktionierende Nachbarschaften, weil sie die gefühlte Sicherheitslage verbessern. Mit dem Energieeffizienzdarlehen bietet die NBank im Auftrag des Landes einen zinsgünstigen Kredit für Investitionen in energieeffizientes Wohnen an, der unabhängig von Einkommensgrenzen bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt.
vdw-Direktor Meyer: Wohnraumförderung ausweiten
„Die Städtebauförderung ist ein einmaliges Erfolgsmodell. Wer sie in Frage stellt, setzt die Zukunft unserer Städte und Gemeinden aufs Spiel“, sagte Bernd Meyer, Verbandsdirektor des vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen. Er sprach sich beim Kongress für eine breite Initiative von Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft für den Erhalt und die Stärkung der Städtebauförderung aus In der Wohnraumförderung setzte er sich für eine Ausweitung der Mittel ein, etwa durch die Beteiligung der NBank. Die Ausweitung könne dazu beitragen, neben dem Neubau auch die energetische Modernisierung der Wohnungsbestände nachhaltig zu unterstützen. „Unser Anliegen ist es weiterhin, modernen Wohnraum auch für einkommensschwächere Haushalte zu schaffen. Dieses Ziel können wir nur durch gezielte, hochwertige Sanierung erreichen; denn unsere Städte sind zum größten Teil schon gebaut.“ Die Mittel müssten zielgenauer eingesetzt werden, sagte Meyer und fuhr fort: „Förderung mit der Gießkanne hilft nicht weiter. Die strukturellen Herausforderungen etwa durch den demografischen Wandel sind gerade in Niedersachsen so unterschiedlich, dass wir regional und lokal nach Lösungen suchen müssen.“
Referent Prof. Dr. Danielzyk: Vielschichtige Dynamik zwischen Stadt und Land
Prof. Dr. Rainer Danielzyk vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH aus Dortmund konzentrierte seinen Vortrag auf die Diskussion über die Reurbanisierung. Die ´Renaissance der Städte` wird aktuell in Medien und Wissenschaft intensiv diskutiert. Eine neue Runde städtischen Wachstums zu Lasten des ländlichen Raums will Danielzyk uneingeschränkt nicht erkennen: „Der Blick auf Niedersachsen zeigt, dass die Realität vielschichtiger ist: Gerade in den ländlichen Räumen ist ein breites Spektrum von außergewöhnlicher Dynamik bis zu besorgniserregender Strukturschwäche zu beobachten“, sagte Danielzyk.
Referentin Prof. Dr. Helbrecht: Wohneigentum in Altersvorsorge stärker einbeziehen
Selbst genutztes Wohneigentum stärker in die Altersvorsorge einzubeziehen, regte Prof. Dr. Ilse Helbrecht von der Berliner Humboldt-Universität an: „Dies ist ein in anderen EU-Staaten bereits häufiger praktiziertes Modell. In Deutschland dagegen wird das Wohneigentum als sinnvolle finanzielle Alternative weder ausreichend genutzt noch wahrgenommen.“ Dabei würden private Haushalte in Europa zunehmend mit der Situation konfrontiert, selbstständig ihre Altersvorsorge planen zu müssen. Der demografische Wandel verursache neben den aktuellen Debatten um Staatsverschuldung und die (Un)Sicherheit der Renten zusätzlichen Druck, bisherige Finanzierungsmodelle für Renten und Pensionen zu überdenken.