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Verbandstag in Wolfsburg - 19. 09. 2017

vdw-Mitglieder mit Rekordinvestitionen

Wohnungspolitik steht beim großen Branchentreffen im Mittelpunkt

Wolfsburg. Wohnungspolitische Themen haben den diesjährigen vdw-Verbandstag in Wolfsburg beherrscht. Rund 300 Teilnehmer, darunter zahlreiche Landtagsabgeordnete und hochrangige Vertreter unterschiedlicher Verbände, nutzten kurz vor Bundes- und Landtagswahl die Gelegenheit, um den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft zu vertiefen und Lösungswege aufzuzeigen. Doch es wurde nicht nur politisch diskutiert: Zahlreiche Redner sorgten mit erstklassigen Beiträgen für ein vielfältiges Programm. Eine städtebauliche Exkursion, die begleitende Fachausstellung, ein Besuch im VW-Werk und unterhaltsame Abendveranstaltungen rundeten den Verbandstag ab.

Zu geringe öffentliche Förderung, zu hohe Baukosten, zu wenig Bauland, zu lange Genehmigungsverfahren, zu strikte Vorgaben, zu viel Ordnungsrecht – die Rahmenbedingungen für die Wohnungswirtschaft könnten wahrlich besser sein. Ungeachtet dessen erreicht die Investitionsbereitschaft der 170 Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften im Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) aktuell Rekordhöhen. „Das zeigt deutlich: Wir wollen und wir können aktiven Wohnungsneubau betreiben. Aber die Arbeit wird uns vielerorts unnötig erschwert", sagte vdw-Verbandsdirektor Heiner Pott beim diesjährigen Verbandstag in Wolfsburg.

Im vergangenen Geschäftsjahr haben die vdw-Mitglieder für Neubau und Bestandsentwicklung insgesamt 949 Millionen Euro investiert. In diesem Jahr sind Gesamtausgaben von 1,18 Milliarden Euro geplant – ein Allzeitrekord für den Bereich des vdw. Damit bleiben die Genossenschaften und kommunalen Gesellschaften wichtige Partner fürs regionale Bauhandwerk und Impulsgeber für bezahlbaren Wohnungsbau in den Städten und Gemeinden. Trotz steigender Baukosten verbleiben die Nettokaltmieten auf niedrigem Niveau. Sie lagen 2016 im Durchschnitt in Niedersachsen bei 5,44 Euro pro Quadratmeter, in Bremen bei 5,20 Euro pro Quadratmeter. „Wir sind die Mietpreisbremse", wiederholte Pott eine zentrale Botschaft, die von der sozial verantwortungsbewussten Mietenpolitik der vdw-Mitglieder ausgeht.

In der Mitgliederversammlung – zu Gast war GdW-Präsident Axel Gedaschko – gaben Verbandsdirektor Pott und Prüfungsdirektor Gerhard Viemann einen Überblick über die geleistete Arbeit im vdw in den vergangenen Monaten. Die zahlreichen Arbeitsgemeinschaften und Fachausschüsse haben sich nach ihren Worten mit den aktuellen Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft befasst – von der Digitalisierung über die Perspektiven kleinerer Wohnungsunternehmen bis hin zu technischen Fragen. Pott kündigte an, dass der vdw den Aufbau eines Immoportals unter Regie des GdW unterstützen werde. Über den Stand der Vorbereitungen hatte zuvor bereits „Chefplaner" Klaus Saloch in der „Genossenschaftskonferenz" berichtet. Ein zentrales Thema beim vdw ist das Quartiersmanagement. Im neuen Veranstaltungsformat „Speakers Corner" gaben Karin Stemmer (Braunschweiger Baugenossenschaft), Dagmar Vogt-Janssen (Stadt Hannover) und Thorsten Müller (Johanniter) unter der Moderation von Sarah Leuninger (vdw) ein Zwischenfazit der bisherigen Beratungen ab. Im Oktober wird der vdw eine Arbeitshilfe zum Thema Quartier veröffentlichen.

Heiner Pott nutzte die Öffentliche Veranstaltung für ein sehr politisches Statement. Immer noch nicht gebe es ein positives Klima für den Neubau. So werden die Zielzahlen für den Wohnungsbau – insbesondere bei bezahlbaren Wohnungen – weiterhin klar verfehlt. Schuld seien Länder und Kommunen. Zu viele Vorgaben, zu wenig Unterstützung – daran habe sich auch seit der Papenburger Erklärung des vdw vor Jahresfrist nichts geändert. Die nun von der niedersächsischen Regierungskoalition ins Gespräch gebrachte Verschärfung der Landesbauordnung ist nach Worten Potts ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Auch wenn es zur Festschreibung der von SPD und Grünen angestrebten höheren Quote von barrierefreien bzw. rollstuhlgerechten Wohnungen bisher nicht gekommen ist, sei es doch ein fatales Signal an die potenziellen Investoren, beklagte Pott. In der sich anschließenden Diskussionsrunde schlossen sich Gedaschko und Mieterbund-Vertreter Randolph Fries der Kritik an. Die Gründe für den weiterhin zurückhaltenden Neubau gerade in Ballungsgebieten seien vielfältig, einiges sei von der Politik bewegt worden, doch vieles sei ausgeblieben. Skeptisch äußerte sich Gedaschko hinsichtlich einer möglichen Grundgesetzänderung, um die Unterstützung des Bundes für den sozialen Wohnungsbau in den Ländern auch über 2019 hinaus zu verlängern. Am Rande der Veranstaltung hatten sich auch Mieterbund-Bundesdirektor Lukas Siebenkotten und VNW-Verbandsdirektor Andreas Breitner über die Situation am Wohnungsmarkt ausgetauscht. Neben Gedaschko und Fries stand auch der neue Bremer Staatsrat Jens Deutschendorf Rede und Antwort. Charmant und fachkundig zeigte er sich mit den Entwicklungen am Bremer Wohnungsmarkt zufrieden: „Das Bündnis für Wohnen leistet gute Arbeit. Die Unterstützung aus der Wohnungswirtschaft ist großartig." Zuvor hatte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs Bericht über „explodierende Mieten" in seiner Stadt als „blanken Unsinn" bezeichnet. Gerade die drei großen Wohnungsunternehmen sorgten mit ihrer zurückhaltenden Mietenpolitik für einen „sozialen Ausgleich". Um auch künftig sozialen Wohnungsbau in Wolfsburg realisieren zu können, seien aber dringend öffentliche Zuschüsse nötig.

Hauptredner bei der Öffentlichen Veranstaltung war Udo di Fabio – aber nicht als Bundesverfassungsrichter a.D., sondern als langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats „Reformationsjubiläum 2017". Und so lautete das Thema auch: „500 Jahre Reformation – Wo steht Europa heute?" Di Fabio schlug auf rhetorisch beeindruckende Weise einen Bogen über fünf Jahrhunderte. Er erinnerte daran, dass Luthers „Freiheitsschrift" heute aktueller denn je sei, weil er sowohl die Individualität des Einzelnen und zugleich die Verpflichtung einer Gemeinschaft gegenüber postuliert habe. Dies sei die Grundidee für das heutige Europa. „Europa lebt mit dieser Uneindeutigkeit, dieser Ambivalenz von Freiheit und Selbstdisziplin." Die Überzeugung, dass die europäische Gesellschaftsordnung eigentlich „konkurrenzlos" sei, ist nach Ansicht di Fabios in den aktuellen Wirrungen in der Welt ein wenig verloren gegangen. „Wir müssen die europäische Kultur in Teilen reorganisieren." Dazu gehöre übrigens auch, so di Fabio zum Abschluss, „das Schaffen von menschengerechtem Wohnen".

Mit einer abwechslungsreichen Fachtagung ging der thematische Teil des diesjährigen Verbandstages zu Ende. Monika Thomas, frühere Stadtbaurätin in Wolfsburg und seit einem Jahr im Bundesbauministerium tätig, gab einen Einblick in die Arbeit ihrer Abteilung. Ein erklärtes Ziel für die nächsten Jahre sei eine weitgehende Vereinheitlichung der Landesbauordnungen. An diesen Punkt knüpfte auch Simon Strecker von Vonovia an. Der Wohnungskonzern ist praktisch in allen Bundesländern aktiv und muss sich bei Bauprojekten an sehr unterschiedlichen Vorgaben orientieren. Das von Strecker vorgestellte Projekt „Serielles Bauen in Holzrahmenbauweise" musste demnach so abgestimmt werden, dass es in allen Ländern funktioniert. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum zeigten, dass das Vonovia-Projekt auf breites Interesse stößt und vielleicht zur Nachahmung anregt.

Professor Armin Trost von der Hochschule Furtwangen berichtete lebhaft über sich ändernde Beziehungen und Abläufe in Unternehmen. Herkömmliche hierarchische Modelle würden immer seltener funktionieren. Lisa Winter von der Firma aktivbo gab einen Überblick über praxisnahe Mieterbefragungen. Wichtig sei es, dass die Informationen, die sich aus den Befragungen ergeben, letztlich auch ausgewertet und umgesetzt werden können.

Der nächste vdw-Verbandstag findet am 4./5. September 2018 in Lüneburg statt.

v.l. Jens Deutschendorf (Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen), Klaus Mohrs (Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg), Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio (Richter am Bundesverfassungsgericht a. D.), Heiner Pott (Verbandsdirektor vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V.), Andreas Otto (Verbandsratsvorsitzender vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V.), Gerhard Viemann (Prüfungsdirektor vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V.), Andreas Otto (Verbandsratsvorsitzender vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e. V.), Axel Gedaschko (Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen)

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Mit 10.000 Euro hat die Reichsbund-Stiftung einen Wettbewerb zum Thema „Zuhause ist Integration" dotiert. Aufgerufen sind Wohnungsunternehmen, aber auch private Initiativen und Vereine, die sich mit Integration und Inklusion beim Bauen und Wohnen befassen. Die Jury besteht aus Vertretern des Niedersächsischen Sozialministeriums, des Sozialverbands Deutschland und der Verbände der Wohnungswirtschaft. Preisverleihung ist am 21. November 2017 während der SoVD-Lounge im Alten Rathaus Hannover, zu der auch Ministerpräsident Stephan Weil und Sozialministerin Cornelia Rundt erwartet werden (mehr...)

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